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Samstag, 21. Juli 2012, 10:14 Uhr
Diakonie-Studie entlarvt "Dritten Weg" der kirchlichen Unternehmen als plumpes Lohndumping
Lob durch Nichtkritik
Olaf Harning | Ein äußerst spezielles Lob heimste kürzlich der in Rickling/Kreis Segeberg beheimatete Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein ein. Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zum sogenannten "Dritten Weg" der evangelischen Sozialunternehmen im Arbeitsrecht sind Leiharbeit, Outsourcing und Lohndumping dort inzwischen der Normalfall - außer beim Landesverein.
So heißt es in der Studie etwa, dass "Ausgründungen" (Outsourcing) im Bereich des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein "weit verbreitet" seien, "insbesondere die großen Einrichtungen" machten von diesem Instrument Gebrauch. Und weiter: "Die einzige Ausnahme unter den größeren Einrichtungen ist hier der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein." Und der reagiert natürlich erfreut auf das ungebetene Lob: Gegenüber den Lübecker Nachrichten bekennt sich Rüdiger Gilde, Direktor des Landesvereins, ausdrücklich zur einheitlichen Entlohnung der Beschäftigten und lehnt Outsourcing klar ab. Allerdings übten Billiganbieter durchaus Druck auf tariftreue Einrichtungen aus - beispielsweise in der Altenpflege.
Der Landesverein ist im Kreis Segeberg mit Einrichtungen der Suchthilfe, Tagesstätten für psychisch Erkrankte und Angeboten für alte- und pflegebedürftige Menschen aktiv und beschäftigt landesweit rund 2.500 der insgesamt 28.000 hauptamtlichen MitarbeiterInnen der evangelischen Sozialverbände. In Norderstedt betreibt er das Psychosoziale Zentrum im Alten Kirchenweg und die Drogen- und Suchtberatungsstelle im Kohfurth. Außerdem plant der Landesverein den Bau von Psychiatrischen Tageskliniken für Kinder und Erwachsene im Frederikspark. Die Diakonie ist hier unter anderem Trägerin der Tagesaufenthaltsstätte (TAS), des Frauenhauses, der Migrationssozialberatung, des Lichtblicks und verschiedener Einrichtungen der Altenhilfe.
Im Gesamtblick kommt die Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zu dem Ergebnis, dass die "Sozialunternehmen der Diakonie (...) in den vergangenen Jahren auf den gestiegenen Kosten- und Wettbewerbsdruck ähnlich reagiert" haben, "wie ihre Wettbewerber." So hätten sich etwa Ausgliederungen von Betriebsteilen "flächendeckend verbreitet", wobei die Beschäftigten dieser Einrichtungen meist deutlich schlechter gestellt sind, als ihre KollegInnen in den ursprünglichen Organisationseinheiten. Außerdem stellt die Studie heraus, dass der Anspruch einer "christlichen Dienstgemeinschaft", den kirchliche Arbeitgeber als sogenannten "Dritten Weg" proklamieren und damit Tarifverträge und Streiks ausschließen, meist nicht erfüllt wird. Wissenschaftlich ausgedrückt liest sich das dann so: "Normatives Postulat und Empirie des Dritten Weges weichen strukturell voneinander ab". Zum gleichen Ergebnis war 2010 bereits unser Autor Helmut Lechner in seinem Artikel "Gott kann man nicht bestreiken!" gekommen.
Veröffentlicht in Arbeit & Kapital mit den Schlagworten Diakonie, Dritter Weg, Evangelische Kirche, Landesverein für Innere Mission, Lohndumping, Rickling, Rüdiger Gilde
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