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Samstag, 19. Juli 2014, 6:47 Uhr

Der "Bischof-Halfmann-Saal" wird umbenannt.

Das Ende einer Leitfigur

Infoarchiv Norderstedt | Nachdem sich der Landesverein für Innere Mission noch im Februar dafür entschieden hatte, seinen Veranstaltungssaal in Rickling weiter nach dem ehemaligen Holsteiner Bischof und überzeugten Antisemiten Wilhelm Halfmann zu benennen, gab der Diakonie-Verein jetzt eine geschichtspolitische Kehrtwende bekannt.

Portrait Wilhelm Halfmanns im bislang nach ihm bennanten Saal in Rickling.

Bischof Wilhelm Halfmann auf einem Portrait im Ricklinger Veranstaltungssaal (Foto: Infoarchiv).

Laut Direktor Rüdiger Gilde hat der Vorstand des Landesvereins auf seiner Sitzung am 25. Juni einstimmig beschlossen, den 350-Quadratmeter-Saal künftig nach seinem Ricklinger Tagungshaus und damit „Fichtenhofsaal“ zu nennen. Durch den Zusatz „vormals Bischof-Halfmann-Saal“ solle zeitgleich verhindert werden, dass die Geschichte des Hauses kommentarlos überdeckt wird. Gilde: „Es war wichtig, sich Zeit zu nehmen und nicht auf Grundlage von Presseberichten zu entscheiden.

Willhelm Halfmann hatte 1936 im Auftrag der Bekennenden Kirche eine zehnseitige Schrift unter dem Titel „Die Kirche und der Jude“ verfasst, in der er einen radikalen, theologisch begründeten Antisemitismus vertrat. Weil er sich gleichzeitig vom völkischen Antisemitismus der Nazis abgrenzte, konnte sich Halfmann lange Zeit einen Ruf als NS-Gegner bewahren und 1946 unangefochten das Amt des Bischofs von Holstein antreten. Von seinen antisemitischen Ausfällen hat er sich bis zu seinem Tod 1964 nie glaubhaft distanziert, ein Bekenntnis zur deutschen Kriegsschuld stets verweigert.

Der Entscheidung zur Umbenennung vorausgegangen waren zwei gut besuchte Veranstaltungen, in deren Verlauf sich der Landesverein mit Hilfe der Historiker Klauspeter Reumann und Stephan Linck ein detailliertes Bild über das Wirken und die Ideologie Halfmanns gemacht hatte. Außerdem meldeten sich viele der 2500 Landesverein-Beschäftigten zu Wort, unter ihnen der Chefarzt der psychiatrischen Tagesklinik in Kaltenkirchen: „Nach allem was wir jetzt wissen“, so Clemens Heise per Leserbrief, „ist Bischof Halfmann als Leitfigur und Vorbild gerade für eine diakonische Einrichtung untragbar.

 

 

Einige Zitate aus Halfmanns Schrift (1936): 

  • "Die Juden sind das erste und einzige Volk der Weltgeschichte, das Christus ausgestoßen hat und verflucht; kein anderes Volk in der Welt hat das bisher getan! Das einzige Volk, das man nennen möchte, die Russen, steht unter jüdischer Führung."
  • "Das ganze Mittelalter hindurch werden die Juden zweier Vergehen bezichtigt: sie schändeten die Hostien und schlachteten Christenkinder. Die buchstäblich Wahrheit dieser Anklagen ist nie mit Sicherheit erwiesen worden, aber es liegt dennoch ein tiefer Sinn darin, daß diese beiden Anklagen sich immer wiederholten."
  • "Tatsache ist, daß die Juden das Christentum schädigten, wo sie nur konnten, daß sie durch ihren Wucher das Volk bis aufs Blut aussogen."
  • "Der Staat hat recht (Anmerkung: mit der Judengesetzgebung von Hitler und Globke). Er macht einen Versuch zum Schutze des deutschen Volkes (...), und zwar mit Billigung der christlichen Kirche. Das, was heute mit den Juden geschieht, ist ein mildes Verfahren gegenüber dem, was Luther und viele andere gute Christen für nötig gehalten haben."
  • Und in "Abgrenzung" zu den Nationalsozialisten: "Die jüdische Gefahr ist heute viel größer, als unsere Antisemiten ahnen."