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Sonntag, 1. August 2004, 2:00 Uhr

Linksradikale und feministische Tage

Auch Frauen aus Norderstedt laden zum Seminarwochenende nach Flensburg

Infoarchiv Norderstedt | Feministisch?
Eine absurde Zeit für Feministinnen:
Während von einer Frauenbewegung nichts (mehr) zu sehen ist wird "Gendermainstreaming"(1) als vermeintlicher Sieg des feministischen "Marsches durch die Institutionen" in die Programme von Gewerkschaften über die Regierung bis zum BDI aufgenommen worden ist.
Während die Konstruiertheit von "Geschlecht" im universitären Diskurs längst zu einem Allgemeinplatz geworden ist erleben wir gleichzeitig massivste Angriffe auf von der Frauenbewegung errungene Institutionen wie Frauenhäuser und Beratungsstellen. Das gleichzeitige Abdrängen von Frauen in marginalisierte(2) Beschäftigungsverhältnisse und der Generalangriff auf Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem treffen Frauen besonders heftig.
Die Auseinandersetzungen um Sexismus und sexualisierte Gewalt selbst in der radikalen Linken machen uns sichtbar, was es bedeutet keine starke bzw. überhaupt keine Frauenbewegung im Rücken zu haben.
Der politische Hintergrund, vor dem Feministinnen heute Politik machen ist der einer historischen Defensive.
Aber auch eine Zeit, in der Transgender/ queer produktive Verwirrung (auch) unter Feministinnen stiftet und ursprüngliche Definitionen und Gewissheiten aus dem Gleichgewicht bringt; was aber auch zu Situationen führt, in der Frauenlesben weiterhin, wenn auch unter anderen Vorzeichen begründen müssen, dass ihre Räume und Zusammenhänge nach wie vor eine Berechtigung haben.

Linksradikal?
Es ist fraglich, ob "feministisch" als alleinige Selbstbezeichnung überhaupt noch ausreicht, um den Anspruch auf eine emanzipatorische Politik auszudrücken.
Im Spektrum der unterschiedlichen politischen Ausrichtungen, Traditionen und Arbeitsschwerpunkte finden sich Emma - "Feministinnen", die schon lange endgültig in der reaktionären "Mitte der Gesellschaft" angekommen sind (feministisches Hoffähigmachen von Bundeswehr über Rassismus bis hin zu Leni Riefenstahl), um das Überleben von Frauenhäusern Kämpfenden und wieder andere, die in autonomen Frauenkleingruppen ohne nennenswerte öffentliche Beachtung vor sich hindümpeln (und natürlich noch viele mehr).
Jenseits von altbekanntem Verbalradikalismus und pseudoradikaler rechthaberischer von-allem-und-jeder Abgrenzung ist die Frage der Wahl: Welchen Feminismus wollen wir?
Emma?schen Differenzfeminismus, marktliberale Gesine Schwan´s, feministischen Klassenkampf, vermeintlichen Subkultur- heile "Welt- Antisexismus?
Oder reicht "feministisch" in Anbetracht von queer/ transgender schon nicht mehr aus?
Hat sich mit der queer /transgender Diskusssion die Kategorie "feministisch" gar überholt? Oder ist die Frage nicht eher, ob eine derartige klare Abgrenzung voneinander überhaupt existiert?
Auch wenn eine zukünftige feministische Bewegung nicht am runden Tisch (auch nicht an unserem) entworfen werden kann, auch wenn in Zeiten derartiger personeller und organisatorischer Schwäche von feministischen Aktivistinnen Überlegungen wie diese leicht per se als utopisch erscheinen:
Ohne diese Auseinandersetzung werden wir dem Ziel, revolutionärer Teil einer breiten feministischen Bewegung und gleichzeitig starker feministischer Teil eine revolutionären Linken zu sein keinen Schritt näher kommen.

Linksradikal und feministisch!!!
Es sind nicht etwa weniger Gründe geworden, gegen Patriarchat, Sexismus und Zweigeschlechtlichkeit zu kämpfen:
Es ist bitter nötig.
Deshalb braucht es Diskussionen und Vernetzungen, um das, woran dieser Kampf anknüpfen und auf welche und was er sich beziehen soll auszuloten; eine Bestandsaufnahme dessen, wo und wie linksradikale Feministinnen heute überhaupt agieren und eine Einschätzung, wo dieses nötig wäre.
Mit dem "Feministisch und Linksradikal" Wochenende in Flensburg wollen wir versuchen, dazu einen Schritt zu machen.

Wir wollen ein Wochenende lang miteinander zu diesen Themen und vielen anderen diskutieren, reflektieren, uns streiten und zusammenraufen.

Weitere Informationen und Anmeldungen sind erhältlich unter :
frauentreffen-sh@web.de
oder über c/o
Frauentag im Infoarchiv Norderstedt
Waldstr. 41
22846 Norderstedt
Tel.: 040/ 55 40 39 90 (Dienstags 17-20 Uhr)

(1)
Vereinfacht gesagt ein "zu Recht umstrittenes- Konzept, das die Thematisierung der Kategorie "gender" mittels "gender- sensitiver" Maßnahmen zu einem Hauptthema in Gesetzgebungsverfahren und politischen Rahmenbedingungen macht, um "Ausgewogenheit und Gerechtigkeit für Männer und Frauen zu erreichen"(Zitat aus www.gendermainstreaming.at).
(2)
randständig, unsicher

Veröffentlicht in Frauen/Feminismus mit den Schlagworten Gewerkschaften, Infoarchiv, Norderstedt