Gedenken 9.November! |
Berührende Ansprachen - hektische Polizei
Rund 200 Menschen gedachten am Abend des 9. November in einer Feierstunde im Sitzungssaal des Norderstedter Rathauses "der Opfer des Nazi-Terrors" und wollten damit ein Zeichen gegen die eskalierende neofaschistische Gewalt in Deutschland setzen.
Initiiert von der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung hatten zuvor alle im Rathaus vertretenen Parteien einem entsprechenden Antrag zugestimmt. Neben Bürgervorsteherin Elisabeth Kühl (SPD) kamen im Laufe der Gedenkveranstaltung auch Heide Linde-Lembke, Vorsitzende des Vereins Chaverim-Freundschaft mit Israel und Probst Karl-Heinrich Melzer zu Wort. Letzterer plädierte für eine "annehmende Gesellschaft", und: "viele junge Menschen erleben einen Mangel an Wertschätzung nach dem Motto, sie sind nur das, was sie leisten und was sie sich leisten können".
Linde-Lembke formulierte schließlich auch, was wahrscheinlich viele Anwesende gar nicht hören mochten: "Von Flensburg über Neumünster, Norderstedt und Henstedt-Ulzburg, kreuz und quer durch Deutschland ziehen sich die Hochburgen der Glatzen und Springerstiefel". Wie sollen Bürger den Mut finden einzugreifen, wenn es sich der Staat leiste, Kriegsflüchtlinge wie in der Justizvollzugsanstalt Glasmoor in Abschiebehaft zu nehmen, sie auszuweisen, hinauszuwerfen. "Der 9. November ist eben nicht 62 Jahre her. Er findet heute wieder statt, täglich, überall, sogar in den Amtsstuben."
Damit könnte sie darauf angespielt haben, daß die Norderstedter Parteien gerade dieser Tage wieder entscheiden, die Nutzungserlaubnis für den Abschiebeknast in Glashütte zu verlängern und quasi gleichzeitig beschlossen haben, den städtischen Anteil an der Finanzierung der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes zu streichen. Ein deutliches Zeichen gegen Flüchtlinge und für den rechten Zeitgeist.
Während die Gedenkveranstaltung - untermalt von Clezmer-Stücken des Ensembles "Shir Sameach" - ihren Verlauf nahm, drang im übrigen eine 15köpfige Polizeieinheit mit Helmen, Schlagstöcken und Brustpanzern ausgerüstet in den Saal, um sich wenig später in den Fraktionsräumen der Parteien niederzulassen. Man habe, so die Information, davon Kenntnis, daß sich Mitglieder der Norderstedter Bauwagenszene in der Nähe zusammengerottet hätten und hielt eine massive Störung der Veranstaltung für möglich. Es habe schon zuvor "Ärger" auf einer nahegelegenen Fußgängerbrücke gegeben.
Tatsächlich hatten sich am Vormittag des 9. November einige AktivistInnen der Gruppe AVANTI-Projekt Undogmatische Linke mit einem Transparent auf einer Brücke über die Oadby-and-Wingston-Straße niedergelassen und so den 9. November mit dem aktuellen staatlichem Rassismus verglichen, die Polizei ließ die Gruppe gewähren. Eine "Zusammenrottung" hingegen hatte es lediglich rund vier Stunden vor der Gedenkveranstaltung in Norderstedt gegeben: 15 UnterstützerInnen einer Frau, die von der Norderstedter KriPo zur erkennungsdienstlichen Behandlung unter Gewaltanwendung und Drohungen zur Polizeiwache am Herold-Center geschleppt worden war, protestierten dort gegen den Polizeiübergriff.
Informationsquelle:" Norderstedter Zeitung und Info-Archiv Norderstedt"